Das aus studentischer Initiative entstandene Projekt LerM (Lehrsystem für
ernstzunehmende Musik) im Studiengang Informatik an der Universität Bremen entwickelte von 2003 bis 2005 ein Lehrsystem mit dem
Namen ThInC (The Incarnate Counterpoint) zur Vermittlung des Palestrina-Kontrapunkt-Stils. Der Komponist Giovanni Pierluigi da
Palestrina (1525 - 1594) führte die Vokalpolyphonie zu ihrem Höhepunkt. Kompositionen setzen sich aus einem von den gregorianischen Chorälen abgeleiteten Cantus Firmus, sowie mehreren weitgehend eigenständigen Stimmen, den Kontrapunkten, zusammen. Der deutsche Komponist und Musikwissenschaftler Johann Joseph Fux veröffentliche 1725 das Lehrwerk "Gradus ad Parnassum", in dem er die Kontrapunkttechnik Palestrinas anhand von mehreren Gattungen erklärt.
In der Musiktheorie-Ausbildung nimmt dieser Stil eine wichtige Stellung ein. Das Lehrsystem
besteht aus mehreren Software-Komponenten wie Musiktheorie-, Regel-, Übungs- und Kompositionsmodul. Daneben gibt es zwei Komponenten, die für die Erstellung von Regeln zur Musikgenerierung verantwortlich sind: die manuelle Regelcodierung
und die automatische Regelextraktion. In der Kompositionsumgebung können Benutzer
eigene Stücke komponieren, die vom System auf Regelkonformität geprüft und auf Stilnähe bewertet
werden. Hierfür werden die in Prädikatenlogik erster Ordnung (FOL) vorliegenden Kompositionsregeln
der Regelkomponente genutzt; sie wurden zuvor manuell eingegeben. Die automatische Regelextraktion
analysiert musikalischeMuster einzelner Palestrina-Stücke sowie ganzer Kontrapunktarten.
AlsVerfahren hierfürwerden n-Gramme genutzt. Mit trainierten n-Grammen können neue, dem Stil
entsprechende Stücke automatisch generiert und manuell komponierte Stücke auf Fehler überprüft
werden.
Farbood und Schoner verfolgen die Analyse und Generierung von Palestrina-Stücken mit
Hilfe von Markov-Ketten erster Ordnung. Damit kann jedoch nur ein kleiner Teil der Regeln, die
den Stil beschreiben, erfasst werden. Im LerMProjekt wurden 1- bis 4-Gramme zur Extraktion
herangezogen. Bei wachsendem n vergrößert sich der betrachtete Kontext. Dadurch können Regeln des
Palestrina-Stils, die mehrereNoten umfassen, besser repräsentiert werden. [-> Veröffentlichungen]